Der Döner ist nicht teuer geworden. Wir sind ärmer geworden

Moin zusammen,

ich lese hier seit einer Weile mit und fange mal mit etwas an, das jeder kennt.

Als ich angefangen habe zu arbeiten, hat der Döner bei mir um die Ecke 3 EUR gekostet. Heute 8 EUR. Und jedes Mal, wenn das Thema hochkommt, dreht sich die Diskussion um den Falschen: um den Mann hinter der Theke.

Ich kenne diese Läden. Mein Onkel hatte so einen.. Was da hängen bleibt, ist nach Fleisch, Miete, Strom und Personal so wenig, dass du dreistellig verkaufen musst, damit sich der Tag lohnt. Der Preis steigt nicht, weil da jemand reich wird. Er steigt, weil alles andere gestiegen ist — und der Einzige in der ganzen Kette, der einem Kunden persönlich ins Gesicht erklären muss, warum es jetzt mehr kostet, ist der mit dem Messer in der Hand.

Und deshalb schreibe ich das hier und nicht woanders.

Wer profitiert eigentlich von Punkt 1 — Einkommensteuer weg bis 120.000 €, Vermögenssteuer erst ab 230.000 €? Genau dieser Ladenbesitzer. Der hat kein Vermögen von 230.000 €, der hat einen Kredit für den Grill und eine Miete, die jedes Jahr steigt. Für ihn ist das keine Umverteilung, das ist das erste Mal seit Jahren, dass ihm überhaupt jemand etwas lässt.

Dasselbe bei Punkt 5: Vier-Tage-Woche, Arbeitsbeginn ab zehn. Das klingt für viele nach Wunschkonzert. Für Leute, die um sechs den Laden aufschließen und um Mitternacht putzen, ist das die konkreteste Forderung im ganzen Programm.

Da bin ich also sofort dabei.

Bei Punkt 3 komme ich ins Stolpern, und ich sage ehrlich, warum.

„Deutsch auf Akademiker-Niveau" — meine Eltern hätte diesen Test nicht bestanden. Nicht 1975, nicht 1985, nicht heute. Deutsch von der Baustelle, davon eine Familie ernährt, jeden Monat Steuern gezahlt. Die Generation, die diese Läden aufgemacht hat, die heute in jeder Fußgängerzone stehen, hätte diese Hürde nicht genommen. Und deren Kinder sitzen jetzt an den Unis, die im Guide als Recruiting-Ort stehen.

Ich frage das nicht, um zu stänkern. Ich frage es, weil Punkt 1 und Punkt 3 auf dieselben Leute zeigen und ihnen zwei verschiedene Dinge sagen. Der Kleinunternehmer, den euer Steuerprogramm rettet, ist statistisch überdurchschnittlich oft genau der, den Punkt 3 wieder nach Hause schicken würde.

Also die ehrliche Frage in die Runde: Ist „Akademiker-Niveau" wörtlich gemeint, oder ist das die Formulierung und nicht die Absicht? Ich glaube nämlich, an dieser einen Zeile hängt, ob ihr bei einer ziemlich großen Gruppe ankommt, die euch beim Rest zu hundert Prozent zustimmt.

Grüße
Goofy